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Die ukrainische Armee hat den Krieg im Südosten ihres Staatsgebiets verloren 
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08 September 2014 Autor:  Marko Jošilo | Kommentar(e): 3

Die ukrainischen Streitkräfte haben sich einfach festgefahren. Sie sind zu tief in das Gebiet der Aufständischen vorgedrungen und haben sich von ihren Versorgungszentren zu sehr entfernt. Die logistische Kette der ukrainischen Armee wurde dadurch überspannt und musste automatisch zusammenbrechen. Deshalb hat die ukrainische Armee den Krieg im Südosten des Landes verloren.  

Die ukrainische Armee hat den Krieg im Südosten ihres Staatsgebiets verloren

Schätzungen, die ich Ende Mai und Anfang Juni auf diesem Portal gemacht habe, nämlich dass die Aufständischen am Ende siegen würden, wenn sie die ersten Wochen der Offensive der ukrainischen regulären Armee ertragen, haben sich als richtig erwiesen.

Genau so war die Einschätzung, dass die pro-russischen Kräfte verlieren und vernichtet werden, wenn Russland nicht auf irgendeine Art den Aufständischen hilft. Ob Russland tatsächlich geholfen hat, dass sich das Blatt zu Gunsten der Aufständischen wendet, ist schwer zu sagen oder zu beweisen. Aber aus politischen, moralischen und humanitären Gründen hat Russland sicherlich versucht, den 11 Millionen Landsleuten zu helfen – den Russen in der Ukraine.

In der weißrussischen Hauptstadt Minsk wurde direkt zwischen den Aufständischen und der Regierung in Kiew eine Feuerpause ausgehandelt. Doch die ausgehandelte Waffenruhe erweist sich als brüchig. Das Kommando der mobilen Einheit „Warjag“ meldete, dass die ukrainische Armee trotz der Feuerpause die Verteidigungszone der Aufständischen um Donezk durchbrochen hat und ist bis auf drei Kilometer vom Stadtzentrum vorgerückt ist. Der Verteidigungsminister der „Donezker Republik“ warnte Kiew öffentlich: „Wenn Angriffe und Provokationen nicht aufhören, werde ich den Befehl zum Zurückschießen ohne Pardon, erteilen“.

Dies ist auch ein Beweis dafür, dass der Krieg in der Ukraine praktisch unmöglich aufzuhalten ist, jedenfalls nicht in dieser Phase wo die Auseinandersetzungen schon zu weit gegangen sind. Ein Ende wird nur ein Sieg des Stärkeren bringen.

Hat Russland entscheidend das Geschehen an der Front beeinflusst durch direkte militärische Unterstützung der Aufständischen im Krieg gegen Kiew?

Der Westen beschuldigt Moskau immer wieder und wirft ihm vor, eigene Truppen für die Unterstützung der Separatisten geschickt zu haben, aber bisher wurde kein Beweis für diese Anschuldigungen erbracht. Eigentlich gibt es gar keine handfesten Beweise für diese Vorwürfe.

Es ist einfach unmöglich auf dem Boden der südlichen Ukraine mit Hilfe von Satellitenbildern und Luftüberwachung die ukrainische von der russischen Kriegstechnik zu unterscheiden; Die Uniformen der Soldaten sind fast identisch, genauso wie die persönliche Bewaffnung. Die Artillerie- und Raketensysteme sind die gleichen, genauso wie die militärischen Lastfahrzeuge, Panzer und die gepanzerten Fahrzeuge der Infanterie. Nur der ukrainische Panzer „Bulat“ unterscheidet sich etwas von dem russischen T-80.

Der ukrainische Panzer „Bulat“ wurde aber überhaupt nicht bei den Kämpfen eingesetzt. Wer kann dann mit absoluter Sicherheit behaupten, dass sich auf den Bildern russische, ukrainische oder die pro-russischen Soldaten befinden? Warum haben Brüssel und Washington nicht präzise Satellitenbilder der russischen Truppen veröffentlicht, wie sie die Grenze zwischen Russland und der Ukraine überqueren?

All das, was von der Aufnahmen der Satellitenaufklärung bisher gezeigt wurde, bezieht sich auf die Aufnahmen von sechs russischen Panzerhaubitzen von 152 mm, die zwar neben der russisch-ukrainischen Grenze stationiert sind, aber auf der russischen Seite. Das reicht aber nicht für diese schweren Vorwürfe, mit denen uns Barack Obama, David Cameron oder Anders Fogh Rasmussen täglich bombardieren.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, welche "Beweise" damals der amerikanische Außenminister Colin Powell, über die im Irak geheimen Massenvernichtungswaffen, lieferte. Noch trauriger dabei ist die Tatsache, dass Powell vorher ein Vier-Sterne-General der amerikanischen Streitkräfte war. Am Vorabend des amerikanischen Angriffs auf Irak im März 2003, winkte Powell bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrates mit Satellitenfotos von angeblichen irakischen "mobilen Labors zur Herstellung von chemischen Waffen“. Alle Teilnehmer dieser UN-Sitzung haben geschwiegen, auch die Russen, obwohl es sich um einen alten LKW für die Dekontamination von sowjetischer Herkunft handelte. Das waren die angeblich „erdrückenden Beweise“ durch die Aufklärung des amerikanischen Geheimdienstes, um ein Land anschließend zu zerstören und praktisch aufzuteilen.

Erst vor einigen Jahren gab General Powell zu, das er damals, vor dem UN-Sicherheitsrat, gelogen hatte - angeblich, aufgrund der höheren nationalen Interessen. Die Mitteilung, dass auch das US Außenministerium behauptet, dass es keine Beweise für eine direkte militärische Intervention Russlands in der Ukraine gibt, ist vielen entgangen.

Viele würden jetzt sagen, wie konnten die Aufständischen aus einer hoffnungslosen militärischen Lage und kurz vor der Niederlage ohne russische Hilfe, plötzlich eine Gegenoffensive starten und die Kräfte von Kiew sogar besiegen?

Erstens, der Krieg dauert viel zu lange, damit die ukrainische Armee ihre Kampfinitiative ständig aufrechterhalten kann. Die ukrainischen Streitkräfte haben sich einfach festgefahren und sind verstreut in die Tiefen des Gebietes der aufständischen Kräften vorgedrungen.

Der Zustand der Kampftechnik der ukrainischen Armee war auch vor dem Kriegsausbruch sehr schlecht. Die Moral der Truppen war ebenfalls problematisch; die Gehälter von Offizieren waren sehr niedrig und unregelmäßig, während sich der Staat und die Gesellschaft in einem Zustand von hoher Korruption befanden.

Die ukrainische Luftwaffe befand sich auch in einem sehr schlechten Zustand. Nur 20 Prozent der Kampfflugzeuge konnten starten; die Kampfpiloten hatten wenige Flugstunden und vor allem fehlten der Ukraine die Mittel, regelmässige Übungen bei dem Hochpräzisionsschießen von Bodenzielen durchzuführen. Unter solchen Umständen wurden die ukrainischen Kampfflugzeuge, in erster Linie vom Typ Su-25, massenweise mit den Handraketenwerfer der pro-russischen Kämpfer abgeschossen.

Die fehlende Kampfkraft seiner Luftwaffe versuchte die Kiewer Junta durch den weit verbreiteten Einsatz von Mehrfachraketenwerfer zu kompensieren, was sich im Nachhinein als eine Art von politischem Bumerang erwies. Der Beschuss von Wohnblocks in den Städten erwies sich militärisch als völlig kontraproduktiv. Deshalb wurde die Kiewer Junta von Amnesty International auch wegen Verbrechen an Zivilbevölkerung an den öffentlichen Pranger gestellt.

Die Aufständischen haben die Armee von Kiew in eine einzigartige Falle gelockt; Es gab mehrere Einkesselungen von Kiewer Truppen. Den Aufständischen kamen Freiwillige aus Russland und aus anderen Staaten zur Hilfe - genauso wie die Truppen aus Kiew die Unterstützung von ausländischen Söldnern und Ausbildern aus NATO-Staaten bekamen, wie auch Waffen aus einigen NATO-Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes.

Doch wie die ukrainische Armee in diesem Krieg eingesetzt wird, verdient eine gesonderte Analyse; Es ähnelt der alten sowjetischen Schule mit der Einkesselung der Städte und den schnellen Vormarsch in die Tiefe des feindlichen Gebietes, während für die Blockade der belagerten Städten nur die notwendigen Truppen bleiben mussten. Diejenigen, die auf diese Weise die Städte Neurusslands umzingeln wollten, wurden kurze Zeit später selbst eingekesselt. Offensichtlich haben sie vergessen, dass die Aufständischen diese Taktik sehr gut kennen, und dass der Zweite Weltkrieg schon lange beendet ist.

Kiew hat außerdem erlaubt, dass seine Spezialkräfte die gleichen Symbole, nämlich die Wolfsangel, wie die SS-Panzerdivision "Das Reich" tragen, jene Division, die im Zweiten Weltkrieg genau das gleiche Gebiet stürmte. Die deutschen Staatsmedien - ARD und ZDF zeigten in den Tagesthemen und im Heute-Journal unverhohlen diese Nazi-Symbole der Kiew treuen Mörderbande, die gegen die Bevölkerung von Donbass den Krieg führt und bezeichnete sie völlig verharmlosend als "Freiwilligenverbände".

Kurz um: Zu viel Amateurismus seitens der Kiewer Junta, um den Krieg noch zu gewinnen. Nebenbei gesagt, dieser Krieg ist, trotz der Unterzeichnung eines Waffenstillstandes in Minsk, noch nicht beendet. Es ist ein unvollendeter Konflikt, weil in der Ukraine ein Kampf der Antifaschisten gegen Faschisten geführt wird – ähnlich wie damals im spanischen Bürgerkrieg.




Artikelbild: US DoD / wiki commons

Marko Jošilo 2

Marko Jošilo ist ein deutscher Journalist. Geboren 1949 als jugoslawischer Staatsbürger  bei Sarajevo in Bosnien, wurde er Anfang der 90er Jahre in Deutschland eingebürgert.

Marko Jošilo begann 1975 mit seinem Studium für Journalistik, Geschichte und Politikwissenschaften in der ersten Studentengeneration der Journalistik an der Universität Dortmund. Abschluss 1981 als Diplom-Journalist. Während des Studiums absolvierte er bereits Praktika bei der Deutschen Welle und dem WDR in Köln.

Seit 1981 freie Tätigkeit für den WDR als Journalist, Reporter und Film-Autor. 1991 wurde Marko Jošilo vom WDR nach Belgrad als Reporter geschickt, mit dem Beginn des Jugoslawienkrieges arbeitete er als Kriegsreporter und freier Produzent für den WDR und andere ARD-Sender, u.a. auch   für Tagesschau und Tagesthemen. Außerdem lieferte er unzählige TV-Beiträge an diverse weitere Sender wie ZDF, RTL, Pro7 und viele mehr.

2004 kehrte Jošilo aus Serbien nach Deutschland zurück. Heute lebt er in Nordrhein-Westfalen, produziert TV-Beiträge und schreibt tagesaktuelle Artikel.

Demnächst erscheint sein erstes Buch über die fragwürdige Rolle der Medien im Jugoslawienkrieg!





3 Kommentar(e)
trailor am 13 September 2014 02:43 Uhr
Nur wegen langer Versorgungswege hat die Ukraine verloren? Das ist ein Nebengrund, aber kein Hauptgrund.

Die Separatisten dürfen nicht verlieren, denn damit wäre auch Putin "tot" und wir wären hoffnungslos der EU und USA ausgeliefert. Es ist eine Nagelprobe, was die alles mit uns später machen können!
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dobar wahrheitsfinder am 12 September 2014 00:00 Uhr
hvala lijepa, danke für den artikel!!!!!
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Marko am 12 September 2014 15:34 Uhr
Hvala i Vama! Radujem se svakom komentaru! Vielen Dank!
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